Verlagsort: Hamburg | Erscheinungsjahr: 1861 | Verlag: Meißner
Signatur: 8522572 4 Geneal. 2 d 8522572 4 Geneal. 2 d
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allen weinerzeugenden Gegenden auch die Zubereitung des Weins selbst, und alle
die vielen Kellergeschäfte zu besorgen und werden deshalb Küfer genannt. Jhre
Verwandtschaft mit den vormaligen Hamburgischen Weinverlassern wird dadurch
noch klarer, daß diese in ihrem amtlichen Titel auch „Faßbinder" hießen. Der
Verkehr mit den Weingeistern giebt ihnen etwas Eigenthümliches, Veredelndes und
dabei Fröhliches. Es ist, zumal in den Weinländern, ein sehr schönes lustiges
Gewerk. Eine lesenswerthe Erzählung schildert uns dasselbe, und zwar wie es in
Franken getrieben wird, mit so reizenden Farben, daß es uns schier romantisch
anmuthet.') Unter den vormals bedeutenden Vorrechten der Büttner war auch
die Befugniß, alle Zeit ihre Waffe, das Bandmesser, bei sich zu tragen, während
andern Staatsbürgern längst das Waffentragen verleidet war. Und ferner das
Recht, zu Fastnacht einen „drefflichen Mummenschanz" abhalten zu dürfen, den
s. g. „Schäffler-" oder Reifentanz, welcher von gewandten Gesellen mittelst überaus
künstlicher Sprünge durch die Reisen (hamburgisch: „Tonnenbänder") ezercirt wurde.
Jn München, Breslau und Erfurt sollen diese Feste noch jetzt im Schwange sein.


Wer unter Johan Lorentz Meyer's Nachkommen ein Gelüste tragen sollte,
sich näher über die Eigenthümlichkeiten des uralten Handwerks seines Ahnherrn zu
unterrichten, der beliebe sich von der hiesigen Commerzbibliothek den 9"» Band
von Berlepsch „Chronik der Gewerke" holen zu lassen, betitelt: „Chronik des ehr­
baren Bötticher-Gewerkes" u. s. w., allwo er auch finden wird, woher ich so genau
weiß, wie es damals bei jenem Gesellenwerden zugegangen ist.


Vermuthlich trat unser Johan Lorentz nun bald die im Statut seines
Gewerks vorgeschriebene Wanderschaft an, um sich noch vielseitiger auszubilden


*) E. T. A. Hoffmann: Serapionsbrüder, gesammelte Mährchen und Erzählungen. Bd. II,
S. 385: Meister Martin und seine Gesellen."

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