Verlagsort: Hamburg | Erscheinungsjahr: 1861 | Verlag: Meißner
Signatur: 8522572 4 Geneal. 2 d 8522572 4 Geneal. 2 d
Permalink: http://www.mdz-nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn=urn:nbn:de:bvb:12-bsb10358335-6

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Zu denjenigen Spitzen der Hamburgischen Gesellschaft, mit welchen der land­
gräfliche Hof hier gern verkehrte, gehörten nun auch Herr Johann Georg Bausch und
Frau Gemahlin, feine wohlgebildete, welterfahrene und reiche Leute, die sich ein Vergnügen
daraus machten, das Eril der fürstlichen Familie nach Vermögen zu verschönern. Sie
wohnten nahe bei einander, und namentlich sollen die Prinzessinnen manche Stunde bei
der liebenswürdigen Frau Engel Emerentia verplaudert haben, während der Landgraf
sich mit Herrn Bausch, nach Besprechung seiner Banquiergeschäfte, gern über Politik und
Geschichte unterhielt. Das aufrichtige Wohlwollen, welches er für seine Gastfreunde
empfand, veranlahte ihn, sich und seine Prinzessinnen als Taufpathen des damals grade
in Aussicht stehenden Kindes anzubieten, welche Ehre natürlich mit größter Dankbarkeit,
aber auch zugleich nicht ohne eine gewisse Verlegenheit (um nicht Bestürzung zu sagen)
angenommen wurde. Denn, es war Herrn Bausch und Frau nicht verborgen, daß der
Landgraf und seine Nichte sich zur reformirten Lehre bekannten, und nicht minder wußten
sie, daß grade damals die Zulassung reformirter Gevattern bei lutherischen Taufhandlungen
im höchsten Grade contrrvers, ja in Hamburg zur brennenden Streitfrage geworden war,
in welcher das geistliche Ministerium den Standpunkt strenglutherischer Orthodorie mit
eiserner Consequenz festhielt. Und dieser Sachverhalt bedarf wiederum einer kleinen
erläuternden Abschweifung.


Bekanntlich war Hamburg bei der großen Kirchen-Reformation eine so ausschließlich
lutherische Stadt geworden, daß noch zwei Jahrhunderte hindurch Calvinisten und Refor-
mirte wie Papisten und Katholiken, mit souverainer Nichtachtung behandelt wurden.
Nur mühsam errangen diese durch das Patronat der kaiserlichen Gesandtschaft, und jene
durch den Schutz des Holländischen wie des Brandenburgischen Residenten, die Gestaltung
einer sehr stillen Religionsübung. Dabei lebten natürlich die Bekenner dieser Confessionen
ganz für sich und so streng geschieden von ihren lutherischen Mitbürgern, daß Mischehen,
obwohl gesetzlich vollkommen statthaft, dennoch niemals vorkommen konnten, und, bei daher
mangelnden Familienbanden, Gevatterschaften gar nicht gedenkbar waren. Erst in der
Mitte des vorigen Jahrhunderts ließ diese Scheidung etwas nach. Hieronymus Matthiessen,
Peter's Sohn, ein aufgeklärter lutherischer reicher Kaufmann im Grimm, heirathete i. J.
1748 die französisch - reformirte Demoiselle Susanne Terier, Bernards Tochter. Durch
diesen Fall aufmerksam gemacht und die möglichen Consequenzen desselben erwägend, scheint
schon damals das vigilante Ministerium sich gegen alle und jede reformirte Gevatterschaften

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