145
Albrecht verließ sogleich das Haus und ging noch ohne Be
gleitung zu seiner nahe liegenden Wohnung, der Propste«',
und ließ sofort Chirurgen rufen. Diese erklärten einstimmig,
daß die Wunde lebensgefährlich sei. Seine Gemahlin, die
in Dambeck war, kam noch zur rechten Zeit, um ihren Gat
ten noch lebend anzutreffen. Bestürzt über das Blut im Bette
wollten die Umstehenden der Gattin Anfangs die Wahrheit
verbergen, aber Albrecht sagte: „Berndt hat mich also ge
stochen," und setzte hinzu: „Berndt, Berndt Du thust übel
an mir und meinen Kindern." Dem gerufenen Superinten
denten Cuno erklärte er, daß er seinem Mörder gern vergebe
und zum Abschiede aus der Welt bereit sei. Cr ließ sich dar
auf das heilige Abendmahl reichen. Zu seiner jammernden
Gattin sagte er: „Mein liebes Weib, gern wollte ich wohl
länger bei Dir bleiben, wenn es Gottes Wille wäre, weil
es aber nicht sein kann, so gieb Dich zufrieden, Du wirst
mich nicht verlieren, fondern nur voranschicken, Du wirst mir
bald nachfolgen." Und als seine Gattin ihm eine bequemere
Lage im Bette verschaffen wollte, sagte er: „Ach laß mich
liegen, ich werde bald an den Ort kommen, wo ich sanft
ruhen werde." Und als man ihn mit stärkendem Wasser
besprengen wollte, sprach er: „Haltet mich nicht auf, denn
ich bin bereit, wenn der Herr kommt, in Frieden zu scheiden."
Nach den Worten: „Herr Jesu, in deine Hände befehle ich
meinen Geist" entschlief er sanft zwischen 3 und 4 Uhr. Am
22. November ward er zu Dambcck in der Klosterkirche be
graben und der Superintendent Cuno hielt ihm die nachher
erweitert in den Druck gekommene Leichenrede.
Bernhard begab sich nach der That zur Ruhe und schlief
ungestört seinen Rausch aus. Erwacht erfuhr er das Gräß
liche und wollte sogleich zu seinem Bruder eilen; aber die
Anwesenden ließen dies nicht zu, sondern drangen in ihn so
fort die Flucht zu ergreifen, was er auch that.
Im höchsten Grade beklagenswerth war auch Bernhard.
ll. IN