Verlagsort: Rottweil | Erscheinungsjahr: 1840 | Verlag: Herder
Signatur: Geneal. 85 v
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Stechen beim Turniere, das in Stockach veranstaltet wurde, mit
einer Hasiigkeit aufforderte, die seinen Freunden und Verwandten
ausfiel. Vergebens warnten ihn diese vor einem Gange mit dem
kräftigen Werner von Zimmern, der als einer der ersten Turnier»
Helden galt — er beharrte hartnäckig auf seinem Vorhaben. Als
nun am andern Tage Beide in die Schranken ritten, waren Aller
Augen auf sie gerichtet. Der Graf von Fürstenberg rannte mit
ungestümmer Hitze auf seinen Gegner los, während dieser seine
ganze Vorsicht und Stärke anwandte, um dem ungestümm An«
greifenden Stand zu halten. Jener aber vergaß in seiner Hitze
aller Vorsicht so sehr, daß er in die Lanze seines Gegners rannte
und alsbald tödtlich verwundet vom Pferde sank. Allgemeine
Bestürzung war bei, diesem Unfall auf den Gesichtern der Ver­
sammelten zu lesen, und besonders erhob Anna, die Gemahlin des
tödtlich Verwundeten, laute Wehklage. Derselbe ward aus einer
Tragbahre weggetragen und auf seine Burg geführt, wo er nach
wenigen Tagen starb.


Werner von Zimmern aber wußte seine Unschuld an dem
traurigen Unfall allen Anwesenden so evident darzustellen, daß
man ihm nicht zürnen konnte. Gleichwohl betrachteten die Gra»
fen von Fürstenberg diesen Vorfall als eine Schändung ihrer
Ritterehre und verlangten volle Satisfaktion. Nun boten die
anwesenden Gäste Alles auf, um dem Ausbruche von Feindselig­
keiten zwischen beiden Theilen vorzubeugen. Besonders aber such»
!en die beiden Schwestern Anna's, namentlich Agnese, die Ge­
mahlin des mit Werner von Zimmern innig befreundeten Grasen
Ulrich von Mätsch, die Dissonanzen zu beseitigen. Das wirk­
samste Mittel hiezu schien ihr eine eheliche Verbindung Werners
mit ihrer Schwester Anna zu seun. Wirklich wußte sie die Vor­
züge Werners und die Vortbeile einer Verbindung zwischen ihm
und ihrer Schwester Anna so angenehm und überzeugend darzu­
stellen , daß am Ende ihr Vorschlag , so sonderbar er anfangs
scheinen mochte, doch bei beiden Theilen Anklang fand, und die
Vermählung auch wirklich nach einiger Zeit stattfand (wahrschein­
lich im Jahre 1442 oder 1443). So kam Werner von Zimmern
auf eine ganz unerwartete Weise zum Besitz einer liebenswürdi«
gen, schönen und reichen Gemahlin.

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