Verlagsort: Rottweil | Erscheinungsjahr: 1840 | Verlag: Herder
Signatur: 1076886 Geneal. 85 v 1076886 Geneal. 85 v
Permalink: http://www.mdz-nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn=urn:nbn:de:bvb:12-bsb10428455-2

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einem jener Conventikel erzählt. Es wurde nämlich von der
Mehrzahl der Versammelten der Vorschlag gemacht, man solle
alle unzüchtigen Weiber und Mädchen aus der Stadt jagen. Da
rief aber einer der Anwesenden , Namens Jörg Schüßlendreher :
„Jhr lieben Freunde! so ihr des Vorhabens scyd, alle die ver­
argwohnten Sünder aus der Stadt zu jagen, so werdet ihr sehen,
daß unser einer künftig selbst kochen muh." Ueber diese Rede
gerieth nun die ganze Versammlung in solchen Allarm, daß Alles
über den unverschämten Lästerer herstürzte, ihn jämmerlich durch­
prügelte, und über die Straßen in den Thurm schleppte. Aus
diesem aber befreite ihn Gottfried Werner wieder, weil der­
selbe, wie er sich gegen die Kläger äußerte, nichts als die Wahr­
heit gesagt habe.


Währenddem dieß zu Mößkirch vorging, führten Gottfried
Werners Brüder, Johann Werner und Wilhelm Werner,
«in vergnügtes Leben in Rottweil, wohin sie sich, wie noch mehre
adelige und geistliche Herren, um vor den aufrührerischen Bauern
sicher zu seyn, erstere mit ihren Familien, begeben hatten ^). Um
sich den Aufenthalt in dieser Stadt angenehm zu machen, veran-
stalteten die geflüchteten Herren allerlei zcitvertreibende Ergötz­
lichkeiten , besonders Gastereien , mit denen sie unter- sich abwech­
selten. Ein großer Freund solcher Schmausereien war nament­
lich Johann Werner, der dieselben durch allerlei Scherze zu
würzen suchte. So gab er unter andern, als er den Gastgeber
zu machen hatte, im Hause des Dekans Blasius Schmid, ei­
nes alten, gut humorissrten Herrn, einen Schmaus, zu welchem
er auch den Abt Ulrich von Alpirs bach und den Abt Hans
von St. Georgen, die sich damals auch in Rottweil wegen
des Bauernaufruhrs aufhielten, nebst mehren adeligen Herren
invitirt hatte. Nach dem Schmause , als der Wein die Herren
lustig gestimmt hatte, schlug er ein damals beliebtes, von dem


') Als die Gemahlin Johann Werners mit zwei Söhnen, Johann Christoph
und Gottsried Christoph, von Seedorf wegfuhr, schrien die Bauern!v«»
der, man solle sie mit ihren Kindern umbringen, damit Niemand vorhan­
den wäre, der sich mit der Zeit an ihnen rächen könne. Doch geschah der
Frau und den Kindern nichts, und sie kamen wohlbehalten nach Rottweil.

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